Appell an den Stadtentwicklungsausschuss

 

Sehr geehrter Vorsitzender, sehr geehrte Verordnete,

ich, Amadeus Hollitzer, stehe hier, um für die Mauerpark-Allianz zu sprechen. Ich bin froh, dass die Allianz mir das Vertrauen dafür geschenkt hat. Ich selbst gehöre zur Anwohnerinitiative Brunnenviertel, wohne im Wedding und arbeite im Koordinierungskreis der Mauerpark-Allianz mit.

Wer ist die Mauerpark-Allianz?

Wir sind ein Zusammenschluss aus den Ihnen schon (wenigstens teilweise) bekannten Initiativen und Vereinen aus Prenzlauer Berg und Wedding, in denen sich Bürger unserer Stadt für eine Erweiterung und Vollendung des Mauerparks einsetzen. Zu uns gehören aber auch Parteien und aktive Bürger und Bürgerinnen.

Neu ist, dass wir gemeinsam kämpfen und mit einer Stimme sprechen. Wir treffen uns regelmäßig und stimmen uns über gemeinsame Aktionen ab.

Wir sind entschieden gegen die geplante massive Luxusbebauung nördlich oder besser im Norden des Mauerparks. Ein Schwerpunkt unserer derzeitigen Bemühungen ist es, die Anwohner und Betroffenen zu informieren und zu aktivieren.

Zu uns gehören u.a.

  • der Bürgerverein Gleimviertel e.V.
  • die Freunde des Mauerparks e.V.
  • die Jugendfarm Moritzhof
  • die Initiative „Interkultureller Gemeinschaftsgarten“ die Initiative „Mauerparkretten“
  • die Mauerpark Stiftung Welt-Bürger-Park e.V. die Anwohnerinitiative Brunnenviertel
  • und viele andere mehr

Natürlich könnte ich Ihnen jetzt unsere Argumente und Bedenken vortragen

  • von ungeklärten Zufahrtswegen
  • von einem drohenden Verkehrskollaps rund um den Gleimtunnel
  • von einem Gleimtunnel, der unter Denkmalschutz steht
  • von einer Stadt, die Platz zum Atmen braucht
  • von einer historischen Verantwortung der ehemaligen Grenze gegenüber
  • von Pflanzen und Naturschutz
  • von Vertreibung durch steigende Mieten

Sie kennen die Argumente – nur befürchte ich, Sie haben schon längst Ihre eigenen Antworten gefunden.
Lassen Sie mich es daher etwas persönlicher angehen.

Ich bin Gesundheits- und Krankenpfleger und arbeite derzeit an einer großen Pflegeschule. Seit 2003, seit dem neuen Krankenpflegegesetz, heißen wir nicht mehr Krankenpfleger, sondern Gesundheits- und Krankenpfleger. Und das nicht ohne Grund. Wir wollen nicht nur das Kranke der Menschen pflegen, sondern auch das Gesunde erhalten und beschützen. Machen Sie es ebenso.

Pflegen Sie das, was in dieser Stadt noch gesund ist.
Fühlen Sie sich auch der Gesundheit der Stadt verpflichtet.

Die Wohnsituation im Wedding zwischen Ramler-, Graun- und Brunnenstraße ist wirklich derzeit völlig in Ordnung. Das Kriterium, hier zu leben, wird eben nicht vom Einkommen diktiert. Noch nicht. Ein Blick auf die andere Seite macht mir da große Sorgen. Hier wird das Doppelte an Mieten verlangt. Sie wissen das. Mindestens zwei Drittel der Mieter aus meinem Haus können sich solche Mieten definitiv nicht leisten. Ich lade Sie herzlich zu mir ein und wir besuchen die Menschen in meinem Haus. Machen Sie sich selbst ein Bild. Die geplanten Luxuswohnungen würden den Mietspiegel in die Höhe schnellen lassen und das Unheil nähme seinen Lauf.

In der Gesundheits- und Krankenpflege gibt es seit einigen Jahren EBN. EBN steht für evidenzbasierte Pflege. Pflege setzt auf wissenschaftliche Erkenntnisse und versucht diese, in die Praxis zu integrieren. Pflege will sich professionalisieren und entwickeln.

Wann professionalisiert sich Politik? Evidenzbasiertes Handeln sollte auch Ihr Anspruch sein.

Machen Sie evidenzbasierte Stadtentwicklung.

Nehmen Sie beispielsweise die Studie zur „Umweltgerechtigkeit im Land Berlin“. Es ist Wahnsinn, in einem der am dichtesten besiedelten Gebiete eine weitere Verdichtung vorzunehmen. Krankheit und nicht Gesundheit wäre die Folge.

Oder nutzen Sie dieses Buch mit wissenschaftlich fundierten Beiträgen: „Zwischen Basel, Bochum und Toronto: Einblicke in die Geographie postindustrieller Stadtentwicklungen“. Hier werden mit empirischen Daten die Wandlungsprozesse dargestellt und Gefahren und Chancen, die sich aus dem Wandlungsprozess ergeben, wissenschaftlich nüchtern diskutiert.

Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und Pflegen Sie unsere Stadt auf der Grundlage von Evidenz und erhalten Sie das, was gesund ist, gesund.

Folgende Fragen und Forderungen der Mauerpark-Allianz möchte ich heute vorbringen:

  • Was ist der aktuelle Stand der Planung? Wird auch die Handschrift des Bezirksamts erkennbar sein?
  • Wie sieht der konkrete Terminplan aus?
  • Wann wird die öffentliche Auslegung sein?

o Forderung der Mauerpark-Allianz: Keine Auslegung in den Ferien, um eine Bürgerbeteiligung sicherzustellen.

  • Wie soll die verkehrstechnische Erschließung realisiert werden? Ist eigentlich eine zweite Zufahrt als Rettungsweg geplant?
  • Wie soll Verdrängung durch Mietsteigerung verhindert werden?
  • Wie hoch sind die Kosten für die öffentliche Hand?

Eine weitere Forderung der Mauerpark-Allianz zum Schluss. Ich möchte die Forderung als Bitte, als ganz großen Wunsch vortragen. Wenn Sie über die konkreten Pläne abstimmen – stimmen Sie geheim ab. Jeder sollte nur seinem Gewissen verpflichtet sein. Eine geheime Abstimmung ist das Größte, was eine Demokratie zu bieten hat. Nutzen Sie die Möglichkeit der Freiheit und begreifen Sie, es geht um uns und um unsere Stadt.

Vielen Dank

Amadeus Hollitzer
Redebeitrag der Mauerpark-Allianz zur Stadtentwicklungsausschusssitzung am 30.4.2014

 

Weitere Informationen zumThema:

Einblick in den Mauerparkvertrag: www.prenzlberger-stimme.de/?p=55202
BVV-Dokumenten-Datenbank: www.berlin.de/ba-mitte/bvv-online/vo040.asp